Das 5D-Modell und Ehrliche Machbarkeit (2): „Nutzen sind die neue Vision.“

Im Intro unserer Artikelserie haben wir beleuchtet, wie sich der Begriff der Digitalisierung in den letzten 20 Jahren gewandelt hat. Wir haben von einer neuen Generation der Digitalen Transformation gesprochen und wie wir den Digitalisierungsstau, der leider auch durch Zahlen gestützt wird, auflösen wollen. Unser 5D-Modell setzt ganzheitlicher an und fokussiert auf Ehrliche Machbarkeit. In diesem Teil der Artikelserie wollen wir aufschlüsseln, welche konkreten und wertvollen Nutzen für Unternehmen darin liegen, diesem Prinzip zu folgen. Das können wir aus der täglichen, praktischen Projektarbeit sehr klar benennen.

Los geht’s!

Nutzen 1: Die normative Kraft von Ergebnissen 

Es gibt keine faktischen Hürden, konkrete Umsetzungen in der Digitalen Transformation zu erreichen. Der Markt unterstützender Technologien ist zwar dynamisch – aber bietet reife Lösungen. Für die Ziele einer Digitalisierungsstrategie gibt es in jedem Unternehmen praktische Ansatzpunkte für handfeste Projekte. Ist das so? Ja, das ist so. Aus unserer praktischen Beratungserfahrung heraus, können wir diese Aussage nicht nur unterstützen – wir wollen sie sogar zuspitzen: Lassen sich aus einer formulierten Digitalisierungsstrategie keine sofort umsetzbaren praktischen Maßnahmen ableiten, hat die Digitalisierungsstrategie den falschen Ansatz. 

Die normative Kraft von Ergebnissen aus konkreten Umsetzungen hat zugleich sehr wertvolle Effekte, die sich in allen Dimensionen eines Unternehmens zeigen.  

  • Jede Ebene des Unternehmens sieht, dass Digitale Transformation kein Strategiepapier-Tiger ist, sondern spezifisch als Aufgabe, Lösung und Ergebnis benennbar ist 
  • Ergebnisse sind erzählbar und damit zugänglich für Erklärungen, Diskussionen und Denkanstößen, an denen sich alle beteiligen können 
  • Ergebnisse sind messbar und damit Grundlage für lebendige Beurteilungen und Steuerungsmöglichkeiten 
  • Erreichte Ergebnisse machen Veränderung zur Norm -  es sind die ersten Meter einer fortwährenden Reise zurückgelegt. Zermürbende, plätschernde Überlegungen sind vorbei und schleifen sich zu Erfahrungen für die Unternehmenskultur 

Nutzen 2: Das Baustein-Vertrauen 

300 Seiten Digitalisierungsstrategie sind eher die Regel und nicht die Ausnahme. Je schwieriger und komplexer ein noch nicht betretendes Terrain erscheint, desto feingranularer versucht man sich zu nähern. Und das ist verständlich richtig ist es aber nicht. Digitalierungsstrategien lassen sich nicht über Jahre wasserfallartig herunterbrechen und implementieren. So wenig das zu häufig starren Organisationen passt – aber die digitale Transformation ist ein gnadenlos agiler Prozess. Das Vorgehen muss aufmerksam angepasst werden – nicht weil man strategisch unpräzise gearbeitet hat – sondern weil der Markt von außen regelmäßig neue Optionen öffnet. Eine interessante Sichtweise beschreiben unsere Berater Timo und Daniel in diesem Video, dass sich damit beschäftigt, wie heute technologische Innovationen die Strategie überholen. 

Ehrliche Machbarkeit hingegen schafft Baustein-Vertrauen. So beschreiben wir die Herangehensweise, sich nicht mit einem riesigen, unfassbar komplexen und dazu noch beweglichen Digitalisierungsmonster auseinanderzusetzen, dass „die Sache ein für alle mal löst“…Das wird definitiv scheitern. Das Baustein-Vertrauen pickt die Maßnahmen heraus, die garantiert umsetzbar sind und mit höchster Wahrscheinlichkeit nach innen und außen positive Effekte in überschaubarer Zeit bringen. Darin steckt ein rationaler und ein emotionaler Vorteil: 

  • Rational: Zielvorstellungen für Baustein-Projekte einer größeren Digitalisierungsstrategie bleiben scharf, übersichtlich und greifbar. So sichern sie auch Planungssicherheit für Projektumfang, Dauer und Budgets. 
  • Emotional: Wo 65% Angst vor Veränderung herrscht (siehe oben) fehlt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dem können Machbarkeitsprojekte vergleichsweise schnell, praktisch und mit positiver Erfahrung etwas entgegensetzen. 

Nutzen 3: Der gesunde Tunnel 

Beim Erstellen dieses Artikels zählt google 55.000.000 Treffer bei der Suche nach „Digitale Transformation“ – und das sind nur die deutschsprachigen Ergebnisse. Das Ziel, den eigenen Change mit diesem riesigen und dynamischen Informationsgewitter zu durchdringen und individuell zu verdichten ist vollkommen richtig. Natürlich muss man seine digitale Werkbank und Wissensbibliothek aktuell halten. In vielen Unternehmen führt das aber zu einer Art Informations-Narkose – je mehr man weiß, umso unbeweglicher wird man für Entscheidungen. Es könnte ja sein dass…und wenn wir hier mehr wüssten, dann wäre vielleicht… 

An einem individuellen Punkt, den man sehr sensibel und strategisch klug gemeinsam mit einem Unternehmen erörtern muss – sollte ein gesunder Tunnel geschaffen werden: Für bestimmte, ehrlich machbare Projekte wird die Lösung die derzeit und in naher Zukunft als die Beste erscheint auch konsequent verfolgt und umgesetzt. In diesem Tunnel sind die Einflüsse von außen nicht ausgeschaltet, aber gefiltert. Im Vordergrund steht die spezifische Umsetzung mit tatsächlich gesunden Ergebnissen für die eigene Digitalkultur auf fachlicher und persönlicher Ebene. Hierzu gibt es ein Video unseres Vorstandes Joachim Adam, der auch zu Fehlerkultur Interessantes zu sagen hat und gibt es zwei einfache Regeln: 

  • Die zumeist sehr positiven Erfahrungen aus machbaren Projekten, sollten durch interne Kommunikation geteilt werden werden. 
  • Der gesunde Fokus auf solche Projekte sollte innerhalb des Unternehmens kulturell begleitet werden, um sie für andere Teams skalieren zu können. 

Nutzen 4: Die Flagge zum Markt 

Spätestens mit der Durchsetzung von Smartphones hat die Digitalisierung eine Wende gemacht, die man nicht wichtig genug einschätzen kann: Unternehmen agieren nicht mehr strategisch autonom und steuern den Markt. Nein. Sie werden durch das Verhalten von Kunden zu bestimmten strategischen Bewegungen bestimmt, per Bestellbutton, per Whatsapp-Anfrage, per Bewertungsportal. Die Zeit, in der Menschen quasi unbegrenzt markentreu sind, ist vorbei. Über 70% der Verbraucher sind bereit nach einer Alternative zu suchen, wenn ein Touchpoint nicht so funktioniert, wie sie sich das vorstellen. 

Zugleich sind Kunden bereit, das Verhalten eines Unternehmens auch mitzubegleiten. Zum Beispiel im Bereich einer nachhaltigen Entwicklung oder auch im Serviceverhalten. Allerdings muss „etwas passieren“. Normale Menschen lesen keine Digitalisierungsvorhaben eines Unternehmens in Fachartikeln nach – sie wollen, dass man ihnen endlich per Messenger unkompliziert einen Fall abnimmt. 

Projekte, die machbar sind, sind genau deshalb auch wichtige Flaggen zum Markt hin. Man kann Kunden abgeleitet aus dem jeweiligen Projekt zielgruppengenau Vorteile kommunizieren und damit auch sagen „Schau, wir sind in Bewegung für unsere Kunden.“ 

In unserer Arbeit nehmen wir diesen Punkt im Bereich Prozesse auch methodisch besonders wichtig: 

Nutzen 5: Der gepackte Rucksack 

Digitale Transformation ist kein 5-Jahres-Plan, sondern ein fortwährender Prozess. Auch hier trifft wiederholt die Argumentation der Kundenzentrierung zu – Unternehmen müssen sich den Entwicklungen und bevorzugten Touchpoints des Marktes laufend anpassen. Für diese Reise braucht man den richtigen Rucksack. Dieses Rucksack packen zu lernen und die ersten Meilen zu gehen ist alternativlos und kann am besten in positiven, machbaren Projekten gelernt werden. Von Führungskräften ebenso wie von allen, die den Weg mitgehen sollen. 

Ein Musterbeispiel für einen solchen Rucksack kann dann ergänzt durch spezifische Erfahrungen an andere Projekte weitergegeben werden. Ja, wir sprechen hier sehr deutlich über den „Faktor Mensch“, den wir als sehr entscheidend einschätzen. Unsere Kollegen des Schwesterunternehmens PentaBalance beschreiben hierzu eine Vorgehensweise die als Begleitung in Projekten sehr sinnvoll ist und entsprechende Vorhaben auf kultureller und organisatorischer Seite absichert: 

  • PentaBalance beschreibt 5 klare Phasen zur Begleitung eines Fachprojektes https://pentabalance.com 
  • Neben einer Reihe wirkungsvoller Instrumente zur Begleitung steht im Vordergrund die hilfreiche Frage nach dem hinter dem Fachprojekt liegenden Motivs. Die individuelle Antwort für das Projekt ist definitiv ein Rucksackinhalt. 

Nutzen sind die neue Vision.

Unternehmen brauchen jetzt machbare Möglichkeiten, die Digitale Transformation zu starten oder kontinuierlich anzutreiben. In die Nutzen, nach direkten und nachhaltigen Umsetzungsansätzen zu suchen, haben wir eine erste Transparenz gebracht. Doch was heißt in der konkreten Unternehmensberatung eigentlich „ehrlich“ und was „machbar“? Wieso hat unser 5D-Modell genau diese 5 Dimensionen? Und können wir konkrete Umsetzungsthemen benennen, die ein hohes Machbarkeitslevel haben? Das lesen Sie in den Folgeartikeln. Bitte hier entlang. 

Autor

  • Christoph Tylla

    Christoph Tylla ist seit 2006 bei der Pentadoc AG tätig und verantwortet als Partner den Consulting-Bereich "Technologie & Prozesse". Als Berater begleitete er bereits zahlreiche Unternehmen bei der Analyse, Konzeption und Durchführung von Digitalisierungsprojekten. Aktuell widmet er sich stark dem Beratungsfeld der Kundenzentrierten Prozessoptimierung.

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